Mulmiges Gefühl: Morgen NPD-Demo in Frankfurt

Bisher kannte man diese Demos der Ewig-Gestrigen immer nur aus dem Fernsehen, und man dachte immer: Oh mein Gott, sowas ist ja schrecklich und Du meine Güte, die armen Anwohner und überhaupt, dass die demonstrieren dürfen. Kamen noch Ausschreitungen mit Autonomen hinzu, war das nur noch schlimmer, und das Chaos auf dem Schirm beeindruckte sehr im negativen Sinne. Kaum war der Fernseher aus, wurde vielleicht noch mehrfach darüber gesprochen, aber einen Tag später war das ganze schon eher vergessen.

Damit ist ab morgen wohl Schluss: Die größte Neonazi-Demo seit Jahren wird in meiner direkten Nachbarschaft hier in Frankfurt stattfinden (wohl in Frankfurt Hausen, wenn nicht kurzfristig etwas geändert wird). Seit heute morgen ist unsere Unterführung am Bahnhof bereits mit Antifa-Sprüchen voll gepflastert und halb Rödelheim wird morgen von der Außenwelt abgeschnitten sein, wenn die Ludwig-Landmann-Straße polizeilich abgesperrt wird. Den lokalen Nachrichten nach scheint bereits eine riesige Aufrüstung in beiden Lagern stattzufinden: Die Nazis freuen sich auf die Prügelei mit der Antifa aus eher niederen Motiven heraus, die Antifa hat angekündigt, „mit allen Mitteln“ die Demo verhindern zu wollen – was auch immer das heißen mag, der Aufruf auf indymedia verheißt zumindest nichts Gutes!

Freie Meinungsäußerung ist ein hohes Gut, das es zu verteidigen gilt! Insofern begrüße ich jeglichen Widerstand und jede Gegenstimme gegen diese Demo, zumal der Aufruf vom NPD-Landeschef Marcel Wöll kommt, der zur Zeit mehrere Verfahren wegen Volksverhetzung u.ä. am Hals hat (was übrigens mit ein Grund hätte sein können, diese Demo von vornherein zu verbieten!). Was ich jedoch nicht verstehe: Es gäbe genug Möglichkeiten, die Demo „niederzuschreien“ und damit zu verhindern, dass die Nazis sich Gehör verschaffen können. Ebenso könnte eine völlige Abstinenz der Medien weitere Aufmerksamkeit verhindern. Stattdessen wird recht reißerisch berichtet und die Emotionen hochgeschaukelt. Hass scheint auf beiden Seiten jedenfalls genügend vorhanden zu sein. Was aber tun, wenn man wie ich Gewalt strikt ablehnt? Nun, morgen gibt es in Frankfurt genügend Gegenveranstaltungen und ich bitte jeden normal denkenden Menschen, wenn er Zeit hat, auf einer zumindest mal vorbeizuschauen und Farbe zu bekennen! Frankfurt galt bislang als weltoffene Stadt, und das soll morgen auf jeden Fall rüberkommen! Vor dem Rathaus wird es u.a. eine Veranstaltung des Römerberg-Bündnisses geben, die sicherlich gut besucht sein wird. Auch Frau Roth hat angekündigt, dort zu sprechen. Das einzige, was bleibt: Das mulmige Gefühl, in einen Strudel der Gewalt mit hineingezogen zu werden, ohne dass man dieses will, weil man bei solchen Veranstaltungen leider nie vorhersagen kann, wie und wann das ganze endet. Und: Frau Roth, warum nutzen Sie nicht jede juristische Möglichkeit, den Aufmarsch einfach zu verbieten, anstatt Reden dagegen zu schwingen, während ganz Hausen und Rödelheim dem Mob anheimfallen?

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