Gestern gesehen: Wächter der Nacht

Russisches Kino im Stile Hollywoods? Nun, das könnte ja vielleicht funktionieren, da Russland ja auf eine sehr lange und auch geniale Kinogeschichte zurückschauen kann.
Nach einigen Trailern, die mir eigentlich gefielen, habe ich mir gestern den mit vielen Vorschusslorbeeren ausgestatteten Film „Wächter der Nacht“ angeschaut. Wie immer hätte ich gleich am Anfang skeptisch sein sollen, wenn ein privater Fernsehsender an solchen Produktionen beteiligt ist – das hatte wirklich etwas von „Powered by ProSieben“. Wie auch immer…

Der Bus

Die Storyline ist sehr krude und leider nicht wirklich zu Ende gedacht. Was sehr fulminant anfängt, verliert sich nach der ersten größeren Actionszene (die mit dem sich überschlagenden Bus) immer mehr in Allgemeinplätzen. Ich will nichts von der Handlung verraten, aber wer sich vorgenommen hat, diesen Film anzuschauen, sollte nicht allzuviel erwarten: Ein russicher „Negativ-Neo“ √° la Matrix kämpft hier gegen das Böse, das in Form von Vampiren Probleme bereitet. √úberhaupt erscheint mir die überbordenen Mystik eher fehl am Platz, zumal sie von sehr kurzen und nichtssagenden Dialogen begleitet wird. Die Trickeffekte sind ganz ok, sicherlich ist man da bereits Besseres gewöhnt, aber damit könnte man sich abfinden, wenn denn die Story in Ordnung wäre. So aber quält man sich durch 2 Stunden Kino, das absurder nicht sein könnte. Regisseur Timour Bekmambetov, bekannt durch seine Werbeclips, war sichtlich bemüht, einen Blockbuster zu schaffen, der internationalen Standards gerecht wird. Gelungen ist es ihm meiner Meinung nach nicht.

Der Antiheld

Gar nicht lustig: wo geht die Reise hin?

Amazon, Google und Microsoft glänzen in letzter Zeit durch Suchmaschinen, personalisierte Services und sog. „customizing“ von Inhalten, die entsprechend einer Vorauswahl (oder interner Datenerhebung aufgrund des Einkaufsverhaltens) dem Nutzer „seinen“ Content darstellen. Im Prinzip ist das aus heutiger Sicht sicherlich sehr komfortabel, aber wo wird das in Zukunft hinführen?

Ein Flashmovie, das sich sehr kritisch mit dieser Thematik auseinandersetzt, findet sich auf makingithappen.co.uk. Flashmovies mit ernstem Inhalt? Ja, auch das geht…

Die Nachricht aus der Zukunft – Was ist epic? – 8 Minuten aus dem Jahr 2014, die unter die Haut gehen – das 2014 Museum of Media History.

Denkt mal drüber nach…

Neuerwerb: „Careless love“ von Madeleine Peyroux

Madeleine Peyroux war mir bisher nicht bekannt. Die Sängerin aus Georgia kam über die Straßenmusik zum Plattenvertrag, eine sicherlich beachtenswerte Karriere! Ihr Album „Careless love“ knüpft musikalisch auch genau da an, allerdings ist ihre Stimme das, was ich mal als moderne Billy Holiday bezeichnen würde – es ist unglaublich, was die Dame stimmlich zu leisten vermag. Der Musikstil ist wirklich eine Mischung aus 20er Jahre Straßenmusik und Jazz, sehr zurückhaltend arrangiert und schön auf ihre Stimme abgestimmt.

Ein sehr ruhiges Album, das gut in die beginnende kalte Jahreszeit passt. Dazu ein Gläschen Whisky und ein Stück dunkle Ingwer-Schokolade und der Winter kann kommen! ;-)

Cover

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Neuerwerb: „Amused to death“ von Roger Waters

Roger Waters, bekannt als Kopf von Pink Floyd, hat nach der Trennung von Pink Floyd einige Soloalben aufgenommen, die nie den Bekanntheitsgrad der Pink Floyd Scheiben erreicht haben. Dennoch wird es beim Hören sofort klar, wer der eigentliche Kopf von Pink Floyd war! Was Roger Waters auf dieser Scheibe, die er 1994 eingespielt hat, an Klangteppichen produziert, erinnert stark an die besten Zeiten von Pink Floyd. So gibt es die typischen, knarzigen Radio-Einspielungen, Ambientgeräusch und vieles mehr. „Amused to death“ steht ganz eindeutig in der Tradition der Konzept-Alben, die man als Einheit, sozusagen als Sinphonie verstehen muss und die nur als Gesamtwerk wirklich Sinn machen.
Die Aufnahme als solche ist dermaßen räumlich, dass man ganz in die Klangwelt eintauchen kann und die Waters-typischen Texte regen zum Nachdenken an. „Amused to death“ ist ein fantastisches Erlebnis!

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Neuerwerb: Pentahobe / A Tribal Metamorphosis

Ich bin seit einigen Tagen Besitzer der CD „A Tribal Metamorphosis“. Diese ist in Deutschland sehr schwer zu bekommen, ich konnte sie jedoch für einige wenige Euros über die Schweiz beziehen.

Cover

Die CD selbst ist aus der amerikanischen Bellydancer-Szene hervorgegangen, hat aber mit der klassischen „Bauchtanzmukke“ wenig zu tun ;-) Was einem hier an Industrial, Drum’n’Bass und exotischen Trommeleinlagen auf die Ohren geblasen wird, sucht IMHO seinesgleichen. So erinnert die CD an die sehr experimentellen Tage von Bill Laswell.

Sicherlich ist die CD nicht für das entspannte Hören zu Hause geeignet, ihre durchaus komplizierten Abläufe regen mich jedoch immer wieder emotional an. Diese Art von Musik entzieht sich eigentlich jeglicher Beschreibung (deswegen die Einordnung in die Kategorie Jazz) – auf einer guten Anlage gehört, überrascht sie durch Vielschichtigkeit und sehr breit gefächerten Sound.

Auf diese CD bin ich durch pandora.com aufmerksam geworden. Auf deren Page hatte ich nämlich eine Liste mit eben genau dem erwähnten Bill Laswell angelegt…